Susan Hastings "Episoden um Christian Fürchtegott Gellert", Leseprobe
"Ach! Herr, höre mein Gebeth auch vor diesem Sohn, laß ihn wohlgerathen; fromm und endl. ewig seelig werden! Amen."
 
Dieses Stoßgebet des Pastors Christian Gellert aus Hainichen, schriftlich niedergelegt im Kirchenbuch seiner Pfarrei, gilt seinem neunten Kind Christian Fürchtegott, der am 4. Juli anno 1715 geboren wird. Es wird nicht das letzte von Johanna Salome Gellert und ihrem Mann sein. Insgesamt 13 Kinder bevölkern letztlich das ärmliche Pfarrhaus im sächsischen Hainichen, nicht alle überleben die Kindheit.
Es sind fürwahr einfache Verhältnisse, in denen der kleine Christian aufwächst, doch nicht die materiellen Dinge stehen im Vordergrund, sondern moralische Tugenden wie Bescheidenheit und Frömmigkeit werden den Kindern vermittelt.
Die Zeiten für eine kindgerechte Pädagogik sind noch nicht so recht angebrochen. Die Grundprinzipien der Kindererziehung beschränken sich auf die Belehrung, die Sittlichkeit und zu oberst die Gottesfurcht. Diese Prinzipien bleiben Christian Fürchtegott, nicht nur dem Namen nach, sondern tief in seiner Seele eingebrannt. So wächst Christian zunächst wohlbehütet und wohlerzogen inmitten seiner Familie auf. Ob er über seinen Büchern das Knurren seines leeren Magens vergisst oder die Tugenden über materielle Ansprüche stellt, Bescheidenheit und Moral werden sein ganzes weiteres Leben bestimmen.
 
Der Einfluss seines Elternhauses prägt auch sein späteres Schaffen, von dem der Junge aber noch nichts ahnt. Der Vater legt großen Wert auf Achtung der weltlichen Ordnung, sprich: dem Respekt vor der Obrigkeit.
 
Gleichwohl wird ihm eine tiefe religiöse Frömmigkeit bereits in die Wiege gelegt. Die kleinbürgerlichen Verhältnisse, gepaart mit einer Portion Spießigkeit, der Demut vor Höherem und Herz für die Niedrigen werden für Christian das Nest, in dem er aufwächst und flügge wird. "Ich habe gehorchen lernen; eine treffliche Kunst!", sagt er später über diese Zeit.
 
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